RSS Feed

Jetzt aber mal konkret

28. Oktober 2020 by Gerd Normann

Ich war heute auf der Demo des Aktionsbündnisses Alarmstufe Rot. Die Morgenpost schrieb „die Eventbranche macht erneut auf die Krise aufmerksam!“ Eventbranche ist auch ein wirklich schönes Wort, zusammengesetzt aus einem englischen und einem französischen. Aus dem Wort braucht man nur einen Buchstaben zu streichen und trifft die Situation auf den Kopf. Die Eventbrache. Da jetzt gerade eben der Lockdown für alle Veranstaltungen und Theater etc. verkündet wurde, werden einige Eventveranstalter nicht nur im November brach liegen, sondern vielleicht für immer … wenn nicht sofort konkrete finanzielle Hilfe geleistet wird.

Einschieben möchte ich kurz, dass die Morgenpost nicht recht hat, wenn sie das Ganze einfach mit „Krise“ umschreibt. Die Eventbranche hat nicht auf die Krise aufmerksam gemacht, sondern auf den eigenen, kurz bevorstehen Tod.

Auf der Abschlusskundgebung wurden von vielen Betroffenen Solidaritätsbekundungen mit sich selbst und anderen Betroffenen von sich gegeben, die sich, wenn wir ehrlich sein wollen, doch sehr ähnelten. Aber gut, auf jeden Fall scheint die Sprachlosigkeit weg zu sein im Angesicht des Zusammenbruchs. Til Brönner hat sich heute, fast 7 Monate nach dem Ausbruch der „Krise“ auch über YouTube zu Wort gemeldet und Unverständnis darüber ausgedrückt, dass gerade die Großen in der Branche sich bisher nicht zu Wort gemeldet haben. Na ja.

Und dann … jetzt kommt ein weiteres schönes Wort, das ich sehr liebe … wurde ein Slot freigeräumt. Für Peter Altmeier. Ein Slot ist eigentlich ein Zeitfenster für den Start- und Landebetrieb an Flughäfen. Dass man das Eintreffen von Peter Altmeier mit der Landung eines Fluggerätes vergleicht, finde ich schon auch ein wenig amüsant. Irgendwie ein schönes Bild, das sich da aufmacht. Nein, Slot kommt natürlich aus der Slammerszene (also nicht die Schlemmerszene, das ist was anderes). Wenn die Poetry-Slammer auf die Bühne gehen, dann haben sie ein Slot. Ein Zeitfenster.

Aus diesem Fenster sollte also Peter Altmeier winken. Tat er aber nicht. Er hatte Wichtigeres vor und schickte seinen Staatssekretär Thomas Beifuß … ne, Bareiß. Thomas Bareiß wurde gefragt, was denn jetzt für konkrete Maßnahmen für die Veranstalter und Soloselbstständigen beschlossen werden oder vielleicht auch schon wurden. So genau wüsste man das jetzt nicht, da seit 2 Wochen der Kontakt zum Wirtschaftsministerium abgerissen sei. Herr Bareiß bekundete erstmal konkret seine Solidarität mit der Eventbrache … Entschuldigung … Eventbranche und versprach umgehend konkrete Schritte in die Wege zu leiten, wobei er einen Schritt zurück machte, den aber konkret. Er war sich bewusst, dass jetzt sofort konkrete finanzielle Hilfe gerade für … bla, bla, bla … geleistet werden müsste … und er persönlich sich konkret dafür einsetzen würde …  gab es konkrete Gespräche … weiterführende konkrete Maßnahmen … etc. Auf die Nachfrage was denn jetzt konkret beschlossen worden sei, wiederholte er konkret seine vorherigen Ausführungen, so dass er am Ende konkret nichts gesagt hatte. Spätestens in dem Moment wusste ich, dass er eigentlich Beifuß hätte heißen müssen. Aber so ist das mit den Staatssekretären, einige werden ausgewählt, weil sie überragendes Fachwissen haben. Andere, weil sie ihr Fachwissen wortreich in jedem Fach verschleiern können.

Daneben stand noch Carsten Linnemann, der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU/CSU. Der echauffierte sich plötzlich dermaßen engagiert, er sei Sohn eines Buchhändlers, worauf ein teilweise marktschreierisch vorgetragener Salmon über die armen Mittelständler folgte, denen es so schlecht geht. Nur welche Position Herr Linnemann in der ganzen Sache vertritt, das verriet er nicht. Auf jeden Fall hat er es geschafft die Aufmerksamkeit von Herr Beifuß abzuziehen und auf sich zu lenken. Und dann verschwanden die beiden Herren wieder. Ich fand, ein konkret denkwürdiger Auftritt. Kurze Zeit später verkündete Angela Merkel, dass alle Freizeit- und Kultureinrichtungen einen Monat schließen müssen. Das ist doch mal konkret. Mal schauen, ob es jetzt auch konkrete Hilfen gibt.


Keine Kommentare »

No comments yet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.