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Kultur aushalten

5. Dezember 2020 by Gerd Normann

Ich habe gestern eine Glückskeks bekommen und drin war ein Zettel mit einem sehr, sehr klugen Spruch: „Veränderungen stehen vor ihrer Tür. Lassen Sie sie ruhig zu!“ Momentan werden die meisten Leute die Tür zulassen und nicht die Veränderung. Und wenn die Pandemie vorbei ist werden sie es gar nicht bemerken. Sie haben sich hinter ihrer Tür gerade so schön und sicher eingerichtet, da guckt man nicht nach Veränderungen.

Die Aktion „Kulturerhalten“, die als Lobbyorganisation für die Kulturscene auftritt, scheint ihre Daseinsberechtigung aus dem Klagegeheul gegen die Ungerechtigkeiten der Corona Maßnahmen zu ziehen. Man sitzt in seiner muffigen Kemenate und verwaltet seine politischen Forderungen an die Entscheidungsträger, vermeidet es aber Vorschläge für Auswege aus dem Dilemma zu unterbreiten.

Vor 3 Tagen schrieb jemand auf „IG #kulturerhalten“ wie schlimm alles sei und dass die Kultur am Boden läge und wie unsagbar traurig das alles sei. Ich antwortete, dass es auch anders geht, wie man an der Entenfuß-Showfensteraktion sehen könne. Mit einem Link zur Aktion. Hier der Link. Mein Beitrag wird entfernt. Grund: unerlaubte Werbung oder Spam. Ich schreibe einen erneuten Beitrag, dass es darum geht nach vorne zu gucken und aktiv zu werden und nicht zu jammern und dass ich es gut fände, wenn jeder so ein Showfenster aufmachen würde. Mein Beitrag wird von den Administratoren nicht zugelassen. So beteiligt sich „kulturerhalten“ nicht gerade daran, die Kultur zu erhalten. Ich habe die Gruppe daraufhin verlassen.

Ich habe diese letzten Zeilen dann auf Facebook gepustet (ich sag immer gepustet, anstatt gepostet, das nimmt dieser Internetplattform ihre Selbstüberschätzung) und möchte einige Kommentare, kluge Kommentare, erwähnen. So meinte ein Kommentator, dass es sich beim Entenfuß-Showfenster ja nicht um eine kommerzielle Aktion handelt, sondern um eine ideelle. Ein anderer schrieb „Bürokratie erhalten schlägt alles. Was für lappenhafte Admins!“

Es gibt mittlerweile in der Kulturscene jede Menge kreative Aktionen mit denen gegen den Stillstand und das Jammern gearbeitet wird. Und ich fände es sehr, sehr wichtig, wenn sich jemand darum kümmern würde diesen Aktionen und ihren Künstlern eine Stimme zu geben und der Öffentlichkeit zu zeigen, hier wird nach vorne geschaut. Sicher ist es wichtig eine gemeinsame Stimme zu kreieren und damit den Versuch zu unternehmen auf Politiker einzuwirken. Aber wenn „Kulturerhalten“ auch nach der Pandemie noch eine Daseinsberechtigung haben möchte, dann sollten sie mal anfangen nach vorne zu schauen und ihre Geschäftsordnung zu überarbeiten. So genug geschimpft, ich muss noch ein paar Weihnachtstexte für morgen raussuchen, da findet wieder das Entenfuß-Showfenster im Creme Fresh an der Kastanienallee statt. Diesmal mit Laura Dee, Natascha der Großen und Lina Lärche. Es hat sich ein Videojournalist der Nachrichtenagentur AP angemeldet, der einen Bericht über Künstler in der Pandemie herstellt. Ich werde ihm sagen, dass wir hinter einer Glasscheibe spielen, um nach vorne schauen zu können. Hinter einer geschlossenen Wohnungstür würde das überhaupt keinen Effekt erzielen.


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