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  1. kleinkunst!

    Januar 3, 2021 by Gerd Normann

    Ein Begriff, der mich seit längerem ziemlich nervt, ist der Begriff „Kleinkunst“. Viele, die den Begriff benutzen, ob „Kleinkünstler“ selbst oder Journalisten, die über „Kleinkunst“ schreiben, scheinen nicht zu wissen, wo der Begriff herkommt. Obwohl ein Blick in die Wikipedia reichen würde. Da steht folgendes: Ursprünglich wurde mit Kleinkunst ein kleines künstlerisches Werk sowie um 1860 das Kunsthandwerk als solches bezeichnet, heute steht der Begriff seit den 1920er Jahren für häufig auch kabarettistische Bühnendarstellungen und andere Darbietungen im kleineren Rahmen.

    „Im kleineren Rahmen“. Das bedeutet, dass der Begriff „Kleinkunst“ keine künstlerische Wertung beinhaltet, sondern auf die begrenzten örtlichen Begebenheiten anspielt. Heute umweht den Begriff jedoch immer eine gewisse Herablassung. Ein Kleinkünstler macht keine große Kunst, sondern irgendwas „Kleines“! Das hört sich eher an, als handele es sich um die Ausscheidung eines gerade auf die Welt gekommenen Hundewelpen. Feuilletonisten nutzen den Begriff gerne, wenn sie mit offensichtlicher Hochkulturattitüde über Kabarettisten, Comedians oder als komisch gedachte Fernsehformate herziehen, was nicht selten durchaus berechtigt ist, weil es nicht gut ist. Das passiert zwar bei der „Großkunst“ auch, aber da gibt es keinen so knackig abwertenden Begriff.

    Also trägt der „Kleinkünstler“ durchaus auch selbst die Verantwortung dafür, dass der Begriff wertend eingesetzt wird. Da es keine richtigen Zulassungsbeschränkungen gibt, tummelt sich natürlich auch viel Mittelmaß auf den Bühnen. Wenn jemand mal gerade 5 Witze erzählen kann und dann von irgendeiner Agentur als „Kleinkünstler“ in die Medien geschoben wird, kann das nur nach hinten losgehen und würdigt diejenigen herab, die mit Herzblut, Kreativität und handwerklichem Können ihre Kunst abseits des schnellen Witzes betreiben. Ich kenne Agenturen, die „Kleinkünstler“ vermitteln und davon sprechen, dass es sich ja „nur“ um „Kleinkunst“ handelt. Sie versenken sich damit selbst in der Minderwertigkeit. Auch Kulturveranstalter unterstützen die Verniedlichung dieser Bühnenkunst, indem sie „Kleinkunstpreise“ erschaffen, wie die „Heiligenhafener Lachmöwe“, den „Wilhelmshavener Knurrhahn“, den „Rhadener Spargel“, die „Tuttlinger Krähe“ oder den „Gaul von Niedersachsen“! Wenn wir ehrlich sein wollen, unterscheidet sich das nicht wesentlich von dem Niveau eines Friseurs, der seinen Salon „Haarmonie“ oder „Kaiserschnitt“ nennt. Auch Veranstalter, die sich nur danach richten, was ihnen vom Fernsehen vorgekaut wird, tragen zur Trivialität und Eindimensionalität bei.

    Ich plädiere dafür, den Begriff „Kleinkunst“ einfach zu streichen. Er ist nicht nur falsch, sondern macht zudem eine Kategorisierung auf, wo gar keine ist. Unter die „Kleinkunst“ fallen laut Wikipedia 17 unterschiedliche Genres, wobei die Aufzählung mit „usw.“ endet. Es gibt ihn nicht, den speziellen „Kleinkünstler“. „Undsoweiter“ ist auch ein Begriff, den ich sehr liebe. Das heißt, dass theoretisch auch der Straßenmusiker in der S-Bahn oder Opa`s Gute-Nacht-Geschichte dazugehört. Oder auch die Oper, wenn sie in kleinerem Rahmen stattfindet oder einfach schlecht besucht ist, was ja auch immer häufiger vorkommen soll. Da es aber nur große Opernhäuser gibt, fällt die Oper natürlich unter die große Kunst, also die „Großkunst“! Und „Groß“ bedeutet vor allen Dingen ein großes Ensemble und einen großen Etat … was dann auch zu einem hohen Niveau führen soll. Was ich hiermit dann mal bezweifele. Ich kenne mich im Genre der Oper nicht aus, vermute aber, dass mein Desinteresse daran liegt, dass sie seit Jahrhunderten die gleichen Werke und Texte spielen … und das in einer Art und Weise, die nur noch Liebhaber oder Hörgeschädigte zufriedenstellt. Diesen kleinen Seitenhieb soll man mir bitte mal verzeihen. Wobei ich zugebe, dass es durchaus zeitgenössische Interpretationen gibt, die ein sehr, sehr hohes Niveau haben …, einige davon habe ich mir sogar angeschaut.

    Jetzt aber zurück zu der „Kleinkunst“. Es gibt durchaus „Kleinkünstler“, die einen höheren Unterhaltungswert haben als jede Oper. Und es gibt „Kleinkünstler“, die den Unterhaltungswert einer muffigen Socke haben. Es wäre unfair, beide in einen Topf zu werfen. Der eine arbeitet professionell, der andere weniger. Ich halte auch nichts von diesen festen Genrekategorisierungen wie Kabarett, Chanson oder Puppenspiel. Viele Künstler nutzen mittlerweile eine Menge unterschiedlicher Ausdrucksformen, um einen abwechslungsreichen und unterhaltsamen Abend auf die Bühne zu zaubern. Sicher gibt es Publikum, welches nur zu politischem Kabarett geht und solches, das nur Poetry-Slam goutiert. Der Unterschied ist in erster Linie der Eintrittspreis und das Alter des Publikums, denn das, was da manchmal auf der Bühne geschieht, passt durchaus in beide Genres. Ein Veranstalter, der nur auf politisches Kabarett oder nur auf Poetry Slam setzt, verzichtet damit sehenden Auges auf eine Menge Publikum.

    Was alle Bühnen- und Vortragskünstler eint, ist der Wille, mit der ihm eigenen Idee von Kunst sein Publikum gut zu unterhalten. Und das sollte auch in einen wertfreien Sammelbegriff einfließen. Deshalb plädiere ich dafür, anstatt „Kleinkunst“ den Begriff „Unterhaltungskunst“ einzusetzen. Ob das in kleinem oder großem Rahmen stattfindet, ist damit obsolet. Und wenn die Qualität stimmt, wird es dafür auch ein Publikum geben, das überrascht sein wird, was es noch so alles gibt und sich kopfschüttelnd erkundigt, weshalb das Fernsehen so etwas nicht zeigt.  


  2. Kultur aushalten

    Dezember 5, 2020 by Gerd Normann

    Ich habe gestern eine Glückskeks bekommen und drin war ein Zettel mit einem sehr, sehr klugen Spruch: „Veränderungen stehen vor ihrer Tür. Lassen Sie sie ruhig zu!“ Momentan werden die meisten Leute die Tür zulassen und nicht die Veränderung. Und wenn die Pandemie vorbei ist werden sie es gar nicht bemerken. Sie haben sich hinter ihrer Tür gerade so schön und sicher eingerichtet, da guckt man nicht nach Veränderungen.

    Die Aktion „Kulturerhalten“, die als Lobbyorganisation für die Kulturscene auftritt, scheint ihre Daseinsberechtigung aus dem Klagegeheul gegen die Ungerechtigkeiten der Corona Maßnahmen zu ziehen. Man sitzt in seiner muffigen Kemenate und verwaltet seine politischen Forderungen an die Entscheidungsträger, vermeidet es aber Vorschläge für Auswege aus dem Dilemma zu unterbreiten.

    Vor 3 Tagen schrieb jemand auf „IG #kulturerhalten“ wie schlimm alles sei und dass die Kultur am Boden läge und wie unsagbar traurig das alles sei. Ich antwortete, dass es auch anders geht, wie man an der Entenfuß-Showfensteraktion sehen könne. Mit einem Link zur Aktion. Hier der Link. Mein Beitrag wird entfernt. Grund: unerlaubte Werbung oder Spam. Ich schreibe einen erneuten Beitrag, dass es darum geht nach vorne zu gucken und aktiv zu werden und nicht zu jammern und dass ich es gut fände, wenn jeder so ein Showfenster aufmachen würde. Mein Beitrag wird von den Administratoren nicht zugelassen. So beteiligt sich „kulturerhalten“ nicht gerade daran, die Kultur zu erhalten. Ich habe die Gruppe daraufhin verlassen.

    Ich habe diese letzten Zeilen dann auf Facebook gepustet (ich sag immer gepustet, anstatt gepostet, das nimmt dieser Internetplattform ihre Selbstüberschätzung) und möchte einige Kommentare, kluge Kommentare, erwähnen. So meinte ein Kommentator, dass es sich beim Entenfuß-Showfenster ja nicht um eine kommerzielle Aktion handelt, sondern um eine ideelle. Ein anderer schrieb „Bürokratie erhalten schlägt alles. Was für lappenhafte Admins!“

    Es gibt mittlerweile in der Kulturscene jede Menge kreative Aktionen mit denen gegen den Stillstand und das Jammern gearbeitet wird. Und ich fände es sehr, sehr wichtig, wenn sich jemand darum kümmern würde diesen Aktionen und ihren Künstlern eine Stimme zu geben und der Öffentlichkeit zu zeigen, hier wird nach vorne geschaut. Sicher ist es wichtig eine gemeinsame Stimme zu kreieren und damit den Versuch zu unternehmen auf Politiker einzuwirken. Aber wenn „Kulturerhalten“ auch nach der Pandemie noch eine Daseinsberechtigung haben möchte, dann sollten sie mal anfangen nach vorne zu schauen und ihre Geschäftsordnung zu überarbeiten. So genug geschimpft, ich muss noch ein paar Weihnachtstexte für morgen raussuchen, da findet wieder das Entenfuß-Showfenster im Creme Fresh an der Kastanienallee statt. Diesmal mit Laura Dee, Natascha der Großen und Lina Lärche. Es hat sich ein Videojournalist der Nachrichtenagentur AP angemeldet, der einen Bericht über Künstler in der Pandemie herstellt. Ich werde ihm sagen, dass wir hinter einer Glasscheibe spielen, um nach vorne schauen zu können. Hinter einer geschlossenen Wohnungstür würde das überhaupt keinen Effekt erzielen.


  3. Erstaunte Menschen

    November 16, 2020 by Gerd Normann

    Joachim Löw war erstaunt. Seine Mannschaft hatte am Samstag gegen die Ukraine Fußball gespielt, obwohl 25 Stunden vorher 4 Spieler der gegnerischen Mannschaft positiv auf Corona getestet worden waren. Man hatte die restlichen Spieler sofort nochmal getestet und alle waren negativ. Was für eine Erleichterung, die vier betroffenen Spieler kamen in Quarantäne und das Fußballspiel fand statt. Im Durchschnitt beträgt die Inkubationszeit bei Corona 5-6 Tage. So, für alle Schwachrechner … 25 Stunden vor Samstag ist Freitag … oder Donnerstag … wenn man eben Samstagmorgen um 0 Uhr 55 den Coronatest durchführt. Also rechnen wir großzügig … von Donnerstag auf Freitag ist = 1 Tag … von Freitag auf Samstag ist auch = 1 Tag. Ergebnis: 1 Tag + 1 Tag = 2 Tage. Jetzt aber … Inkubationszeit durchschnittlich = 5-6 Tage. Durchschnittlich heißt: im günstigsten Fall beträgt die Inkubationszeit evtl. etwa und möglicherweise = 1 Tag. Und dieser günstige Fall findet bei Ukrainern immer Anwendung, weil Ukrainer aufgrund ihrer ukrainischen Konstitution seit jeher nur einen ukrainischen Tag Inkubationszeit haben. Das hat sich bei denen so eingependelt. Gut … jetzt, am Montag, also 2 Tage nach dem Spiel, werden erneut 3 Spieler der Ukraine positiv auf Corona getestet. Und was passiert … Joachim Löw zeigt sich erstaunt. Die Ärzte hatten doch grünes Licht gegeben. Also die DFB-Ärzte, die UEFA-Ärzte und die Fernsehärzte … und die Ärzte der Banken und die von VW. VW? Da war doch was. Ach so, die waren sowieso gut im Runterrechnen.

    Da fragt man sich doch … wie unterbelichtet ist der Löw eigentlich? Mal schauen wie erstaunt er ist, wenn sich herausstellen sollte, dass in 5-6 Tagen auch Spieler seiner Mannschaft positiv getestet werden. Wahrscheinlich wird er behaupten, dass diese Spieler sich mit der ukrainischen Inkubationszeit angesteckt haben und sich mit Corona dann erst am Sonntag zu Hause bei den Kindern.

    Die Nationalmannschaft ist sehr stolz darauf eine Vorbildfunktion zu erfüllen. „Gib Rassismus keine Chance“, „Trink Krombacher und du bist wacher!“ und „Fahr VW, dann tuts im Geldbeutel sehr weh!“

    Wenn man diese Aktion auch unter dem Vorbildaspekt betrachtet, dürfte es eigentlich kein Problem sein, sich jubelnd in den Armen zu liegen, sich schwitzend anzuschreien oder auch mal den Arsch des ein oder anderen zu küssen. Die einzige Konsequenz aus diesem Treiben, dürfte dann sein, Joachim Löw ist erstaunt.

    Wie unterbelichtet muss mein eig … ne, nochmal … wie erstaunt muss man eigentlich sein, um bei einem so sensiblen Thema ein so schlechtes Beispiel abzugeben. Wenn es um die Fernsehgelder geht, nimmt man es mit der Vorbildfunktion nicht so genau und die Spieler halten ja sowieso die Schnauze, die werden fürs erstaunt sein schließlich sehr gut bezahlt. Und Oliver Bierhoff wundert sich, dass die Akzeptanz der Nationalmannschaft in der Bevölkerung stark nachgelassen hat. Nein, er wundert sich natürlich nicht, er ist einfach nur erstaunt. Und auch ich komme so langsam aus dem Staunen nicht mehr raus.

    Es handelt sich aber auch um ein Paradebeispiel. Ein Paradebeispiel für das unterschiedliche Maß, dass angelegt wird, wenn es um die Bewertung der Gefährlichkeit von Corona geht. Ich bin mal gespannt, was noch alles so Erstaunliches passiert.  


  4. Crossover

    November 11, 2020 by Gerd Normann

    Ich liebe ja diese Crossovergeschichten. Wenn ein Musiker Punk mit Klassik kreuzt oder ein Koch französische Küche und fish and ships. Oder ein Genetiker Schaf und … ne, das jetzt wieder nicht. Obwohl … wenn es möglich wäre mittels Beschuss mit Gensequenzen einigen Regierungschefs Sozialverträglichkeit ins Hirn zu pusten, käme ich echt ins Grübeln. Ich habe jetzt meine beiden Jobs, den des Künstlers und den des Optikers gecrossovert. Sagt man so, oder? Neudeutsch. Das Entenfuß-Showfenster geht am Freitag bei Spree-Optik in Berlin-Moabit an den Start. Und am Sonntag dann im Prenzlauer Berg im Creme Fresh. Genauere Informationen gibt es auf www.entenfuss-kultur.de.

    Nachdem ich den ersten Künstlern von meiner Idee, im Schaufenster zu spielen, erzählte, fragten viele: „Wie soll ich mir das vorstellen, wie in Amsterdam?“ Ich habe geantwortet: „Sicher, wenn es in Amsterdam so etwas auch gibt.“ Natürlich war das dortige Rotlichtviertel gemeint und ich habe mich gewundert, dass viele ihre ersten Erfahrungen damit in Amsterdam gemacht haben. In den einschlägigen deutschen Straßen hätte man vielleicht Bekannte treffen können. Die man aber dann in Amsterdam traf, weil die die gleiche Idee hatten. Nein, die Idee im Schaufenster zu spielen ist mir gekommen, als ich mich, aus welchem Grund auch immer, an den Künstler Käthe B. erinnerte, der in den 90er Jahren auf Partys und Konzerten auftauchte und immer einen bleibenden Eindruck hinterließ, da er seinen kahlen Kopf mit einem kleinen Accessoire schmückte, einer brennenden Kerze, einem Stück Käse oder einer Schraube o.ä. Käthe B. hat irgendwann über ein paar Monate in einem Schaufenster öffentlich gewohnt. Und es standen immer einige Leute davor und haben ihm dabei zugeschaut. Eine tolle Show. Und dann habe ich mir die Zuschauer sofort mit Mundschutz und ordnungsgemäßen Abständen vorgestellt. Soweit hat sich die aktuelle Situation schon ins Hirn gefräst. Und natürlich habe ich gedacht … hm, wenn man da wohnen kann, dann kann man da auch auftreten. Eigentlich denke ich immer, wenn ich eine Stelle sehe, die größer als 1 m2 ist, dass ich da auch auftreten könnte.

    Der Anfang ist auch durchaus schon vielversprechend. Es gibt einige Interviewanfragen von Radiosendern und auch die schreibende Zunft zeigt sich sehr interessiert. Eins der Radiointerviews findet erst in 2 Wochen statt und der Redakteur meinte: „Wir machen das, weil es eine richtungsweisende Idee ist. Wenn es uns dann noch gibt!“ Womit er nicht den Radiosender meinte, sondern unser Showfenster. Denn es könnte ja sein, dass sich niemand vor das Fenster stellen will … auch nicht mit Abstand, Maske und frischer Luft. Denn zu Hause ist es sicherer. Sagt auf jeden Fall Herr Spahn.

    Nachdem gestern positive Zeichen von der Impfstoffherstellung kamen, hatte Jens Spahn nichts Besseres zu tun, als sofort wieder aufs Angstpedal zu treten, indem er verlautbaren ließ, dass 40% der Deutschen zur Risikogruppe gehören und die Intensivbetten dafür nicht ausreichen. Ich habs dann nochmal nachgerechnet und bin auf 102% gekommen. Gut, ich hab jedes Risiko nur einmal gezählt und den rauchenden Senior, der asthmatisch und übergewichtig unter hohem Blutdruck leidet quasi fünfmal gezählt. Aber funktionieren Statistiken nicht so? Nach dreiviertel Jahr weltweiter Pandemie und täglicher Infektionsstatistik weiß glaube ich jeder Risikopatient, dass er Risikopatient ist. Aber Herr Spahn stellt sich hin und erinnert nochmal jeden daran und im Unterton schwingt immer mit, bleibt zu Hause, auch die Gesunden, um euch herum sind nur Risikopatienten, die wollt ihr ja wohl nicht gefährden etc. Wieso denn diese Angstmacherei? Wieso traut er den Menschen nicht zu, selbstständig vorsichtig zu sein. Selbst Karl Lauterbach hat gestern gesagt, dass man mit Angst keine Politik macht. Das kennen wir eigentlich nur von anderen Typen.

    Der Zuspruch, den wir bisher mit der Idee erfahren haben, lässt aber vielleicht auch darauf schließen, dass dem Herrn Spahn nicht mehr allzu viele Menschen zuhören. Also kommt zum Showfenster, bringt eure Masken mit und hört uns zu. Ist lustiger und für einen guten Zweck. Die Spenden gehen direkt an die Künstler und wer es nicht schafft zum Showfenster zu kommen, der kann sogar online spenden auf www.entenfuss-kultur.de


  5. Das Entenfuß-Showfenster

    November 7, 2020 by Gerd Normann

    „The Show must go on” ist nicht nur ein Titel der Band Queen, der Slogan gilt auch als Lösungsempfehlung für alle möglichen Krisen und bedeutet, dass man nicht in Selbstmitleid versunken auf bessere Zeiten hoffen soll, sondern sich aufrafft und weitermacht. Auch Olli Kahn predigte sein Mantra „niemals aufgeben, immer weitermachen. Immer weiter, weiter“ alle 14 Tage in das nächste Mikrofon hinein. Das kann man, je nachdem welche Ursache mit diesem Slogan vergessen gemacht werden soll, als positive oder auch als negative Reaktion betrachten. Welche Lesart man bevorzugt liegt dann aber auch an der jeweils eigenen Lebenseinstellung.

    Da wir Künstler momentan eine bisher nie dagewesene Krise durchmachen und ich selbst nicht dazu neige, in Selbstmitleid zu versinken, habe ich überlegt „wie können wir trotz Corona und Lockdown und Angst auftreten?“

    Die Lösung heißt: Entenfuß-Showfenster. „Entenfuß“ weil das eine Aktion meiner Künstlervermittlung Entenfuß-Kultur ist. Und Showfenster, weil wir im Schaufenster spielen werden. Der ein oder andere mag jetzt sofort ein Rotlichtviertel assoziieren und das ist auch richtig. Die Künstler werden durch diese unverhältnismäßigen Regelungen dazu gezwungen sich zu prostituieren. Und beim Wort „prostituieren“ lässt sich auch sofort „protestieren“ assoziieren. Denn die Aktion ist natürlich ein Protest gegen die aufgezwungene Prostitution … und natürlich auch gegen die Prostitution im Allgemeinen. Das Entenfuß-Showfenster findet von Mi-Fr von 13-18 Uhr bei Spree-Optik in der Krefelder Str. 10 in Berlin-Moabit statt und sonntags von 14-18 Uhr im Creme-Fresh, Kastanienallee 21 im Prenzlauer Berg. Das Publikum steht mit Maske und Abstand auf dem Gehweg und kann für die Künstler spenden. Sind 10 Euro zusammengekommen, erscheint der Künstler im Showfenster und trägt etwa 5 Minuten vor. Es werden jeweils 2 Künstler anwesend sein, die sich immer abwechseln. Im Schaufenster steht ein Mikrofon und die Stimme wir per Blootoothbox auf den Gehweg übertragen. Alle Hygiene und Abstandsregeln werden eingehalten. Vor dem Schaufenster befindet sich eine digitale Spardose, in die das Publikum einen Spendenbetrag legt. Beim Erreichen von 10 € gibt es im Showfenster einen fünfminütigen Vortrag. Die Künstler wechseln täglich, so dass immer unterschiedliche Showacts geboten werden. Von Musik, Comedy, Kabarett bin hin zu Lyrik ist alles möglich. Vor dem Schaufenster dürfen nicht mehr als 5 Personen auf den markierten Stellen stehen. Der Gehweg bleibt für Laufpublikum weiterhin begehbar.

    Welche Künstler auftreten werden erfahren Sie auf der website www.entenfuss-kultur.de oder einfach den Code am Ende der Seite scannen.

    Falls sich Künstler oder Besitzer eines Schaufensters an dieser Aktion beteiligen möchten, wendet euch einfach an mich. Außerdem möchte diese Aktion ausdrücklich zur Nachahmung weiterempfehlen, damit dieser Protest nicht ungehört bleibt.