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  1. Angst ist ein schlechter Ratgeber!

    Oktober 23, 2020 by Gerd Normann

    Eigentlich wollte ich einen kleinen Überblick geben über die verschiedenen Programme, an denen ich gerade arbeite, muss jetzt allerdings doch erst ein anderes Thema in den Vordergrund schieben. Die Angst. Und Peter Altmeier. Und Jens Spahn. Und Markus Söder. Angst ist ein schlechter Ratgeber, das hat meine Omma immer gesagt … und meine Mutter … und eure Omma … und eure Mutter. Der Spruch gehört zu den überlieferten Aphorismen, die in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen sind und irgendwie von Weisheit zeugen. Getätigt hat den Spruch aber Andrew Jackson, der 7. Präsident der USA (1767-1845). Was waren das für schöne Zeiten, als US-Präsidenten noch in der Lage waren kluge Sprüche von sich zu geben. Jetzt gibt es aber auch noch den Aphorismus „Angst ist der einzige sichere Ratgeber, den das Leben überhaupt hat!“ Der stammt von dem deutschen Schriftsteller August Lafontaine (1758-1831). Und jetzt können wir mal beginnen über Angst nachzudenken. Der Amerikaner ist der Meinung, sie ist ein schlechter Ratgeber, der Deutsche ist der Meinung sie ist ein guter oder sicherer Ratgeber.  

    Klar ist, dass der Homo Sapiens nicht so weit gekommen wäre, wenn er ein Angsthase gewesen wäre. Sicher hat er vor dem Säbelzahntiger Angst gehabt. Aber den Säbelzahntiger gibt’s nicht mehr, den Menschen schon. Niemand kann sich die Angst vorstellen, die der Säbelzahntiger vor dem Homo Sapiens empfand. Wäre der Homo Sapiens damals typisch deutsch gewesen und hätte Angst als sicheren Ratgeber empfunden, säße er noch heute bibbernd in seiner Höhle und wartete auf den Lieferservice, der ihm seine Graupensuppe reinreicht. Nein, der Mensch hat immer Angst empfunden, aber es sich zur Aufgabe gemacht, sie zu überwinden. Deshalb ist er noch da.

    Der Säbelzahntiger heißt gerade Corona. Nee, das ist kein gutes Beispiel. Oder doch? Ich bin mir nicht sicher. Nehmen wir mal an, er hieße Corona. Und der Amerikaner sagt: „das ist kein Problem, wir haben es im Griff. Ich will keine Panik erzeugen!“ Und der Deutsche sagt: „Liebe Leute, jetzt ist aber Vorsicht geboten, bleibt mal in euren Höhlen und kommt erst wieder raus, wenn der Coronatiger ausgestorben ist.“ Gut, das ist jetzt der Moment, wo ich meine Meinung zum Coronavirus darlegen muss, sonst kriege ich Hasskommentare. Ich finde die Maßnahmen der Bundesregierung zu Beginn der Pandemie okay, weil man nicht wusste, was auf einen zukommt. Und ich finde die Maßnahmen der Bundesregierung seit Mai 2020 komplett daneben, weil Großkonzerne, die ihre Gewinne in irgendwelchen Steueroasen bunkern, mit Geld zugeschüttet werden, während kleine Unternehmer nur Geld für ihr Betriebskosten bekommen. So, zurück zur Angst. Wird gerade die Angst von den Politikern institutionalisiert, um die Leute in ihren Höhlen zu halten? Auf jeden Fall. Aber … unbewusst. Sie können nicht anders, weil sie selbst Angst haben. Die Angst hat in den letzten 50 Jahren kontinuierlich zugenommen. Vor 40 Jahren gab es vielleicht 2 von 10 Fahrradfahrern die einen Helm trugen. Heute hat man das Gefühl es sind 12 von 10. Gut, der Einwand lautet … „aber das ist doch vernünftig“. Sicher ist es vernünftig, aber wenn der Homo Sapiens immer vernünftig gewesen wäre, säße er noch in seiner Höhle und der Säbelzahntiger läge wartend davor.

    Ich glaube, dass die Angst in den letzten 50 Jahren immer größer geworden ist. Versicherungen haben das bemerkt und machen Geld damit. Manche lassen sich ihre Brüste versichern, ihre Hintern, ihre Brillen oder ihre Angst von ET entführt zu werden.

    Ich plädiere jetzt nicht dafür risikoreicher zu leben, sondern einen Mittelweg zu finden. Angst kann auch Kreativität freisetzen. Leider habe ich bei unseren Politikern das Gefühl, dass sie sich in ihrer eigenen Angst ganz gemütlich eingerichtet haben. Sie kommen alle aus gutbürgerlichen Verhältnissen, wo alles seinen geregelten Gang geht. Niemand hat Unsicherheit vor der Zukunft kennengelernt, niemand hat gelernt seine Angst zu akzeptieren und damit zu leben. Wenn man gewohnt wäre, mit seiner Angst zu leben, würde einem der Anstieg der Infektionszahlen vielleicht nicht sofort die Panik ins Gesicht schreiben. Das heißt, sie haben sie nicht sofort im Gesicht, sie sind ja Profis. Für die Kameras sind sie nach außen cool und beherrscht, aber aus den Worten, die sie dann sagen, spricht die Panik, die sie dann an die Menschen weitergeben. Es herrscht absolutes Chaos bei den Maßnahmen, die den momentanen Anstieg der Infektionszahlen eindämmen soll. Und Chaos erzeugt weitere Angst. Eine einheitliche Richtlinie, die da ansetzt, wo sie nutzt und nicht da, wo man glaubt, dass sie nutzen könnte, würde die Angst etwas eindämmen.

    Und die Angst wiederum unterstützt die Blockwartmentalität, den Egoismus und die Klopapierindustrie.

    Mit dem andauernden Blick auf die Infektionszahlen wird die Angst immer weiter vorangetrieben. Und die hysterische Gesellschaft treibt sich damit selbst vor sich her. Ein bisschen mehr Gelassenheit … nicht Leichtsinn … würde uns guttun.

    So … was hab ich sonst noch heute gemacht … geprobt. Für Auftritte die vielleicht nicht stattfinden. Hab ich davor Angst? Dann wäre ich schlecht beraten.


  2. Notwehrblog

    Oktober 21, 2020 by Gerd Normann

    Hallo,

    eigentlich wollte ich einen kleinen Überblick geben über die verschiedenen Programme, an denen ich gerade arbeite. Jetzt muss ich aber doch erst ein anderes Thema einschieben und zwar den Blog, den ich grad eröffnet habe und für den dieser Text gedacht ist. Es hat nämlich durchaus einige Reaktionen auf den ersten Text gegeben. Mit einer kurzen Schilderung der Notwehrsituation und dem Link zum Blog hatte ich einige mails verschickt, sowie ein paar  Facebookgruppen in denen ich bin mit einem Hinweis versehen. Schon kurz darauf kamen die ersten Antworten wie „lange nichts von dir gehört“, „wusste gar nicht, dass du schreiben kannst“ oder „gefällt mir“. Aber es waren auch welche dabei, die ihre eigene Situation schilderten. Es handelte sich dabei nicht nur um Künstlerkollegen, sondern auch um branchenferne Freiberufler und Soloselbstständige. Im Groben fühlten sich alle ähnlich einem Hirschkäfer, der auf dem Rücken liegt und nicht mehr auf die Beine kommen wird, wenn in Kürze niemand erscheint, um ihn umzudrehen. Da könnte man einwenden, wenn er lange genug zappelt und schaukelt, wird er es schon irgendwie schaffen. Ja, aber es muss erst existenzbedrohend werden, damit er die Kraft findet. Und die Kräfte findet man nur, wenn man eine Portion Wut in sich spürt. Und in diesem Stadium befinden sich gerade die meisten von uns. Aus allen Antworten sprach die gleiche Emotion: Frust und Wut. Und das Bedürfnis sich mitzuteilen ist der erste Schritt wieder auf die Beine zu kommen. Ein Kollege gab mir den Rat, den Blog auch für andere Autoren zu öffnen und auch die Kommentarmöglichkeit zuzulassen. Die hatte ich ja mit Absicht nicht zugelassen, um … na ja … es gibt halt sonne und sonne Kommentare, nicht wahr. Er glaubt, dass der Blog durchaus auf fruchtbaren Boden fallen könnte und durch andere Autoren und die Kommentarmöglichkeit eine größere Öffentlichkeit herzustellen sei. So könnte man die Wut und den Frust vielleicht bündeln und gemeinsam wieder auf die Beine kommen … und demjenigen, der einen umgeschmissen hat, mal auf die Finger klopfen.

    Darüber habe ich jetzt eine Nacht geschlafen und mich dazu entschlossen, seinen Rat zu befolgen. Das heißt, der Blog wird irgendwann eine eigene Internetpräsenz bekomme und nicht mehr auf meiner Seite zu finden sein. Er wird den Namen „Notwehrblog“ bekommen. Jetzt geht’s erstmal darum Autoren und Autorinnen zu finden … obwohl das momentan nicht allzu schwer sein dürfte. Bis es soweit ist, werde ich natürlich hier schön weiterschreiben und auch diesen Blog für Kommentare freigeben.

    Unsere Show „Der (ganz) Blaue Bock) am Samstag im Hasper Hammer in Hagen fällt wegen Corona aus. Ich habe aber Ersatz gefunden und zwar einen unbezahlten Auftritt in einem Berliner Hinterhof. So weit ist es schon gekommen, dass man nur noch heimlich in Hinterhöfen und vorgehaltenem Mundschutz spielen kann. Ansonsten geht’s mir gut, ich hoffe, euch auch. Bis dahin, Gerd.


  3. … und was machen Sie beruflich?

    Oktober 18, 2020 by Gerd Normann

    Hallo,

    dass ich hier jetzt anfange, einen Blog zu schreiben, mache ich nicht aus übersteigertem Geltungsbedürfnis oder Geschäftsinteresse, sondern aus Notwehr. Ich habe auch höchsten ein- oder zweimal in einen Blog reingelesen. Ein Blog gehört für mich zu der großen Blase aufgeblähter digitaler Plattformen wie Facebook und Twitter, die die Meinungen von Selbstdarstellern jedweder Couleur mit scheinbarer Öffentlichkeit auf Bedeutung trimmen.

    Es gibt 2 Gründe weshalb ich jetzt doch einen Blog schreibe und die oben erwähnte Notwehr spielt in jeden mit rein.

    Ich gehöre zu den etwa 2 Millionen Freiberuflern und Soloselbstständigen, die im Zuge der Coronapandemie bemerken mussten, dass sie in der Politik keine Lobby haben. Künstler werden, ohne mit der Wimper zu zucken in den Ruin oder in Hartz 4 abgeschoben. Die Arbeit der Künstler wird offensichtlich in den Entscheidungsgremien geringgeschätzt. Wie häufig hört man als Künstler nach einem zweistündigen Auftritt „… und was machen Sie beruflich?“ Besteht man darauf, dass das, was sie gerade auf der Bühne erlebt haben, der Beruf ist, erntet man ein mitleidiges Lächeln.

    Ich bezeichne mich als Bühnenkünstler, wobei ich Jahrzehnte benötigt habe, um mich überhaupt als Künstler einzuordnen. Ich war berufsbegleitend tätig und erst nachdem ich in meinem „Hobby“ mehr Einkommen hatte, als in meinem „Beruf“ habe ich mich getraut, die Berufsbezeichnung „Künstler“ für mich zu akquirieren. Doch wohl war mir dabei nicht, denn ich war ja „nur“ Kleinkünstler. Also war ich wieder raus. Denn Kleinkünstler sind Faxenmacher, Witzeerzähler, Kabarettisten, Comedians oder Puppenspieler. Narren am Hof des Königs und von seinem Großmut abhängig. Das scheint in vielen Köpfen auch im 21ten Jahrhundert noch herum zu spuken. Dieser Blog soll zeigen, wie die professionelle Arbeit eines Kleinkünstlers aussieht, mit welchen Widrigkeiten er zu kämpfen hat und weshalb es trotzdem der schönste Job auf der Welt ist.

    Der zweite Grund, weshalb ich diesen Blog schreibe, ist das Buch, das ich gerade gelesen habe. Der Tastenficker von Flake. Wem das jetzt nichts sagt, dem sei gesagt, das Flake der Keyboarder der deutschen Band Rammstein ist. Was das bedeutet, kann sich jeder ergoogeln. Nach anfänglicher Abneigung ist mir Flake nach etwa 60 Seiten sehr sympathisch geworden. Ich habe das Buch verschlungen. An einer Stelle schreibt er, dass er keine Westler mag, keine Kabarettisten und keine Liegeradfahrer. An anderer Stelle schreibt er, wie toll er Max Goldt und Helge Schneider findet. Die beides Musiker sind wie er, aber Westler und … auch wenn jetzt viele aufschreien werden … die auch kabarettistische bzw. kleinkünstlerische Einflüsse haben. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass selbst Flake kleinkünstlerisch-kabarettistische Einflüsse hat, dass er mit Texten und Musik eine Aussage treffen möchte. Vielleicht eine gesellschaftlich relevante oder eben nicht. Ich halte nichts von diesen Einteilungen der Bühnenkünstler in Musiker, Kabarettisten, Puppenspieler, Comedians o.ä. Jede einzelne dieser Personen betätigt sich künstlerisch. Meine Einteilung sieht anders aus. Ich teile es ein in gute und schlechte Bühnenkünstler. Flake hat wahrscheinlich einfach ein paar schlechte Bühnenkünstler gesehen, die sich als Kabarettisten ausgaben. Oder er hat welche gesehen, die wie er vor 30 Jahren, noch nicht so weit waren, um sich auf der Bühne richtig auszudrücken. Vielleicht sind die mittlerweile Topstars wie Helge Schneider.

    Auch meine Anfänge waren eher schlecht als irgendwas anderes. Mittlerweile schreibe ich mindestens ein Programm im Jahr, bin als Regisseur und Texter für andere Künstler tätig. Schreibe Bücher, mache Musik, leite eine Künstlervermittlung und veranstalte Shows.

     

    Dieser Blog ist der Versuch dem Beruf des Künstlers, in meinem Fall des Bühnenkünstlers, mehr Akzeptanz und Anerkennung zu verleihen. Ich werde in regelmäßigen Abständen von Auftritten, Proben, Textherstellung und Orientierungslosigkeit berichten. Ob diese Berichte dann auch gelesen werden, sei dahingestellt. Dann ist es kein Blog, sondern ein Tagebuch. Aber wie schon gesagt, ich halte nichts von irgendwelchen starren Einteilungen.