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  1. Crossover

    November 11, 2020 by Gerd Normann

    Ich liebe ja diese Crossovergeschichten. Wenn ein Musiker Punk mit Klassik kreuzt oder ein Koch französische Küche und fish and ships. Oder ein Genetiker Schaf und … ne, das jetzt wieder nicht. Obwohl … wenn es möglich wäre mittels Beschuss mit Gensequenzen einigen Regierungschefs Sozialverträglichkeit ins Hirn zu pusten, käme ich echt ins Grübeln. Ich habe jetzt meine beiden Jobs, den des Künstlers und den des Optikers gecrossovert. Sagt man so, oder? Neudeutsch. Das Entenfuß-Showfenster geht am Freitag bei Spree-Optik in Berlin-Moabit an den Start. Und am Sonntag dann im Prenzlauer Berg im Creme Fresh. Genauere Informationen gibt es auf www.entenfuss-kultur.de.

    Nachdem ich den ersten Künstlern von meiner Idee, im Schaufenster zu spielen, erzählte, fragten viele: „Wie soll ich mir das vorstellen, wie in Amsterdam?“ Ich habe geantwortet: „Sicher, wenn es in Amsterdam so etwas auch gibt.“ Natürlich war das dortige Rotlichtviertel gemeint und ich habe mich gewundert, dass viele ihre ersten Erfahrungen damit in Amsterdam gemacht haben. In den einschlägigen deutschen Straßen hätte man vielleicht Bekannte treffen können. Die man aber dann in Amsterdam traf, weil die die gleiche Idee hatten. Nein, die Idee im Schaufenster zu spielen ist mir gekommen, als ich mich, aus welchem Grund auch immer, an den Künstler Käthe B. erinnerte, der in den 90er Jahren auf Partys und Konzerten auftauchte und immer einen bleibenden Eindruck hinterließ, da er seinen kahlen Kopf mit einem kleinen Accessoire schmückte, einer brennenden Kerze, einem Stück Käse oder einer Schraube o.ä. Käthe B. hat irgendwann über ein paar Monate in einem Schaufenster öffentlich gewohnt. Und es standen immer einige Leute davor und haben ihm dabei zugeschaut. Eine tolle Show. Und dann habe ich mir die Zuschauer sofort mit Mundschutz und ordnungsgemäßen Abständen vorgestellt. Soweit hat sich die aktuelle Situation schon ins Hirn gefräst. Und natürlich habe ich gedacht … hm, wenn man da wohnen kann, dann kann man da auch auftreten. Eigentlich denke ich immer, wenn ich eine Stelle sehe, die größer als 1 m2 ist, dass ich da auch auftreten könnte.

    Der Anfang ist auch durchaus schon vielversprechend. Es gibt einige Interviewanfragen von Radiosendern und auch die schreibende Zunft zeigt sich sehr interessiert. Eins der Radiointerviews findet erst in 2 Wochen statt und der Redakteur meinte: „Wir machen das, weil es eine richtungsweisende Idee ist. Wenn es uns dann noch gibt!“ Womit er nicht den Radiosender meinte, sondern unser Showfenster. Denn es könnte ja sein, dass sich niemand vor das Fenster stellen will … auch nicht mit Abstand, Maske und frischer Luft. Denn zu Hause ist es sicherer. Sagt auf jeden Fall Herr Spahn.

    Nachdem gestern positive Zeichen von der Impfstoffherstellung kamen, hatte Jens Spahn nichts Besseres zu tun, als sofort wieder aufs Angstpedal zu treten, indem er verlautbaren ließ, dass 40% der Deutschen zur Risikogruppe gehören und die Intensivbetten dafür nicht ausreichen. Ich habs dann nochmal nachgerechnet und bin auf 102% gekommen. Gut, ich hab jedes Risiko nur einmal gezählt und den rauchenden Senior, der asthmatisch und übergewichtig unter hohem Blutdruck leidet quasi fünfmal gezählt. Aber funktionieren Statistiken nicht so? Nach dreiviertel Jahr weltweiter Pandemie und täglicher Infektionsstatistik weiß glaube ich jeder Risikopatient, dass er Risikopatient ist. Aber Herr Spahn stellt sich hin und erinnert nochmal jeden daran und im Unterton schwingt immer mit, bleibt zu Hause, auch die Gesunden, um euch herum sind nur Risikopatienten, die wollt ihr ja wohl nicht gefährden etc. Wieso denn diese Angstmacherei? Wieso traut er den Menschen nicht zu, selbstständig vorsichtig zu sein. Selbst Karl Lauterbach hat gestern gesagt, dass man mit Angst keine Politik macht. Das kennen wir eigentlich nur von anderen Typen.

    Der Zuspruch, den wir bisher mit der Idee erfahren haben, lässt aber vielleicht auch darauf schließen, dass dem Herrn Spahn nicht mehr allzu viele Menschen zuhören. Also kommt zum Showfenster, bringt eure Masken mit und hört uns zu. Ist lustiger und für einen guten Zweck. Die Spenden gehen direkt an die Künstler und wer es nicht schafft zum Showfenster zu kommen, der kann sogar online spenden auf www.entenfuss-kultur.de


  2. Das Entenfuß-Showfenster

    November 7, 2020 by Gerd Normann

    „The Show must go on” ist nicht nur ein Titel der Band Queen, der Slogan gilt auch als Lösungsempfehlung für alle möglichen Krisen und bedeutet, dass man nicht in Selbstmitleid versunken auf bessere Zeiten hoffen soll, sondern sich aufrafft und weitermacht. Auch Olli Kahn predigte sein Mantra „niemals aufgeben, immer weitermachen. Immer weiter, weiter“ alle 14 Tage in das nächste Mikrofon hinein. Das kann man, je nachdem welche Ursache mit diesem Slogan vergessen gemacht werden soll, als positive oder auch als negative Reaktion betrachten. Welche Lesart man bevorzugt liegt dann aber auch an der jeweils eigenen Lebenseinstellung.

    Da wir Künstler momentan eine bisher nie dagewesene Krise durchmachen und ich selbst nicht dazu neige, in Selbstmitleid zu versinken, habe ich überlegt „wie können wir trotz Corona und Lockdown und Angst auftreten?“

    Die Lösung heißt: Entenfuß-Showfenster. „Entenfuß“ weil das eine Aktion meiner Künstlervermittlung Entenfuß-Kultur ist. Und Showfenster, weil wir im Schaufenster spielen werden. Der ein oder andere mag jetzt sofort ein Rotlichtviertel assoziieren und das ist auch richtig. Die Künstler werden durch diese unverhältnismäßigen Regelungen dazu gezwungen sich zu prostituieren. Und beim Wort „prostituieren“ lässt sich auch sofort „protestieren“ assoziieren. Denn die Aktion ist natürlich ein Protest gegen die aufgezwungene Prostitution … und natürlich auch gegen die Prostitution im Allgemeinen. Das Entenfuß-Showfenster findet von Mi-Fr von 13-18 Uhr bei Spree-Optik in der Krefelder Str. 10 in Berlin-Moabit statt und sonntags von 14-18 Uhr im Creme-Fresh, Kastanienallee 21 im Prenzlauer Berg. Das Publikum steht mit Maske und Abstand auf dem Gehweg und kann für die Künstler spenden. Sind 10 Euro zusammengekommen, erscheint der Künstler im Showfenster und trägt etwa 5 Minuten vor. Es werden jeweils 2 Künstler anwesend sein, die sich immer abwechseln. Im Schaufenster steht ein Mikrofon und die Stimme wir per Blootoothbox auf den Gehweg übertragen. Alle Hygiene und Abstandsregeln werden eingehalten. Vor dem Schaufenster befindet sich eine digitale Spardose, in die das Publikum einen Spendenbetrag legt. Beim Erreichen von 10 € gibt es im Showfenster einen fünfminütigen Vortrag. Die Künstler wechseln täglich, so dass immer unterschiedliche Showacts geboten werden. Von Musik, Comedy, Kabarett bin hin zu Lyrik ist alles möglich. Vor dem Schaufenster dürfen nicht mehr als 5 Personen auf den markierten Stellen stehen. Der Gehweg bleibt für Laufpublikum weiterhin begehbar.

    Welche Künstler auftreten werden erfahren Sie auf der website www.entenfuss-kultur.de oder einfach den Code am Ende der Seite scannen.

    Falls sich Künstler oder Besitzer eines Schaufensters an dieser Aktion beteiligen möchten, wendet euch einfach an mich. Außerdem möchte diese Aktion ausdrücklich zur Nachahmung weiterempfehlen, damit dieser Protest nicht ungehört bleibt.  


  3. Essensausgabe

    November 3, 2020 by Gerd Normann

    Ich habe jetzt noch einen kurzen Nachtrag zu meinem letzten Beitrag „die Spasspolitiker!“ Wieviel unsere Politiker von Spaß verstehen wird überdeutlich, wenn sie mal versuchen einen zu machen. Der geht nämlich meistens desaströs in die Hose. Als Beispiel sei nur Kramp-Karrenbauers Karnevalsauftritt genannt, aber die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Meistens latschen sie irgendwo ins Fettnäpfchen und der mediale Aufschrei lässt sie dann behaupten, das sei nur ein Spaß gewesen. Die etwa 900 Berater, die für die Bundesregierung tätig sind und Unsummen verschlingen, versuchen vermutlich tagtäglich ihnen den Unterschied zwischen Fettnäpfchen und Spaß zu erläutern. Der Einzige, der das offenbar verstanden hat, ist Gregor Gysi, aber der benötigt für eine humorige Bemerkung keinen Berater. Die anderen fabulieren weiter dröge vor sich hin. Bei Fußballern wird immer bedauert, dass es keine Straßenfußballer mehr gibt, die wirklich noch das Bolzen gelernt haben. Bei den heutigen Politikern sieht es so aus, als hätten sie das Reden nicht auf der Straße, sondern in Rhetorikseminaren gelernt.

    Ach so, bevor ich es vergesse, hier ein Tip für den erfolgreichen Klopapierkauf. Zu Beginn des ersten Lockdowns hatte ich zufällig noch Klopapier im Haus und dann mehrere Wochen Zeit in den unterschiedlichsten Medien Vermutungen über die Motivation der Klopapierhamsterer zu lesen. Für mich war nichts dabei. Sich den Arsch nicht abwischen zu können, scheint eine deutsche Urangst zu sein. Und auf die Idee Waschlappen, Teppiche oder … na ja, es gäbe schon Ausweichmöglichkeiten, da kommt natürlich beim heutigen Desinfektionswahn keiner drauf. Gegen Ende des Lockdowns musste ich unseren Haushalt dann aber auch mit schönem, neuem und weichem Toilettenpapier ausstatten. Natürlich waren zu dem Zeitpunkt alle Regale leergefegt. Aber ich kenne meine mit Vorurteilen beladenen Deutschen und bin sofort dahin gegangen, wo es jede Menge Klopier gab. Zum Asiaten um die Ecke. Da würde der Deutsche nie Klopier kaufen, denn der Asiate hat das Virus. Logisch. Und sein Klopapier auch. Also, wenn ihr Klopapier braucht … beim Asiaten kriegt ihr was. Auch beim zweiten Lockdown. Denn der Deutsche braucht immer zwei Generationen bis sich ein kluger Gedanke mal durchsetzt. Ich meine den Waschlappen.  

    Heute Morgen musste ich im Radio hören, wie die Moderatorin jemanden fragte, wie das denn jetzt mit der Maskenpflicht beim Fahrradfahren aussieht? Ich hab dann weggehört und mich gefragt: und beim Fallschirmspringen oder beim Tauchen? Zwei Stunden später hörte ich auf einem anderen Sender, dass man jetzt auch zu Hause nicht mehr miteinander reden soll, weil durch das Reden Aerosole verteilt werden. Bei manchen Ehepaaren ist das Schweigen ja der Normalzustand. Wenn der Partner dann plötzlich beginnt, beredsame Konversation zu treiben, könnte das durchaus den Tatbestand der vorsätzlichen Körperverletzung erfüllen. Da wird der Ausdruck „der kann einen totquatschen“ plötzlich zum bitteren Ernst. Corona machts möglich. Was ist eigentlich mit Furzen? Ich bin mir nicht sicher, ob meine Fürze nicht auch aerosolbelastet sind. Reicht mein Slip als Maske oder soll ich sicherheitshalber noch eine FFP2-Maske drüberziehen? Hab heute auch ein Plakat von und mit Borat gesehen, der die Maske über sein Fortpflanzungsorgan gestülpt hatte. Auch eine nette Idee, um Aufmerksamkeit zu erregen. Und ich wundere mich, dass sich noch keine Virologen zu Wort gemeldet haben und Statistiken in die Kameras halten, die beweisen sollen, dass sich durch Entharnung oder Ejakulation noch niemand angesteckt hat. Eine verrückte Welt. Wieso hab ich diesen Blogbeitrag eigentlich „Essensausgabe“ genannt? Ach, ich wollte wahrscheinlich darüber schreiben, dass man in Kantinen auch vorsichtig sein und eigenes Klopapier mitbringen sollte. Denn das Kantinenklopier könnte vom Asiaten sein. Und wenns dann auch noch Reis gibt, dann gute Nacht.  


  4. Die Spaßpolitiker

    November 1, 2020 by Gerd Normann

    Ich habe mich radikalisiert. Also, für meine Verhältnisse schon ganz schön heftig. Ich würde mich mal als gemäßigt politisch interessiert bezeichnen. Vor 30 Jahren hatte ich den Anspruch politischer Kabarettist zu werden, mich dann aber tagtäglich an Helmut Kohl, Manfred Kanter oder Theo Weigel abzuarbeiten erschien mir keine erstrebenswerte und unterhaltsame Beschäftigung zu sein, um ausgeglichen durchs Leben zu gehen. Nach einer längeren Pause bin ich dann Ehekabarettist geworden. Die tagtäglichen Streitereien eines etwas zu lange verheirateten Paares sind mein Thema geworden. Innerhalb der Figuren lasse ich dann aber auch schon mal eine eher anarchistisch geprägte politische Einstellung durchsickern, die immer auf sehr viel Gegenliebe beim Publikum stößt. Um eingefahrene Strukturen aufzubrechen reicht manchmal ein einziges, im richtigen Moment ausgesprochenes  Wort: Nein!

    So wie es jetzt aussieht haben meine Figuren mich radikalisiert. Sie ließen sich einfach nicht mehr alles gefallen. Und nachdem ich jetzt als Bühnenkünstler mit einem Auftrittsbann belegt worden bin, habe ich gesagt: Nein, hier hört der Spaß auf.

    Der Filmemacher Dietrich Brüggemann schrieb als Reaktion auf den neuerlichen Lockdown eine sehr schöne Abrechnung mit den politisch Verantwortlichen. Er meinte, dass trotz funktionierenden Hygienekonzepten alles was Spaß macht, geschlossen wird. Restaurants, Theater, Kinos, Konzerte, Museen. Der Friseurbesuch ist weiterhin erlaubt. Also wäre es theoretisch möglich, zusammen mit seinem Friseur ins Museum zu gehen und sich dort von ihm die Haare schneiden zu lassen. Ich stelle mir vor aufzutreten und vor mir sitzen 100 Leute, die sich gerade mit Inbrunst ondulieren lassen. Auch wenn einem der Spaß verboten worden ist, darf man sich den Spaß nicht nehmen lassen.  

    Monika Grütters, die Staatsministerin für Kultur und Medien hat ihr Abitur 1981 am bischöflichen Mädchengymnasium in Münster abgelegt. Nach dem Studium der Kunstgeschichte und Politikwissenschaft war sie für die Öffentlichkeitsarbeit der Oper Bonn verantwortlich, von wo aus sie ins Museum für Verkehr und Technik nach Berlin wechselte. Ich glaube, dass Frau Grütters eine andere Vorstellung von Spaß hat als ich. Ich habe mir gerade nochmal ein Interview angeschaut, das Monika Grütters am 30.4.2020 dem Fernsehsender Phoenix gab. Dort wurde sie gefragt, wie schlimm die Coronafolgen für Künstler und die Kulturlandschaft in Deutschland sind. Ihre Antwort kann man mit dem Wort „sehr“ kompakt zusammenfassen. Dann redete sie über Opernhäuser und Orchesterbetreiber. Sie redete über feste Ensembles an Staatstheatern. Sie hat mit der Opernkonferenz gesprochen und dem deutschen Bühnenverein und den Konzerthäusern. Und ich will ihr den Willen einen Rettungsschirm für die Kulturbranche, also auch für Freiberufler und Soloselbstständige, zur Verfügung zu stellen gar nicht in Abrede stellen, auch wenn bisher eben noch nicht so viel passiert ist. Aber kann sie sich vorstellen, was es bedeutet, wenn einem nicht nur die Arbeit, sondern auch der Spaß verboten wird?

    Ich bin 2 Jahre älter als Monika Grütters. Als sie im bischöflichen Mädchengymnasium lebte, habe ich die Hälfte meiner Zeit vor und hinter diversen Theken verbracht. Dazwischen haben wir uns schräge Geschichten ausgedacht, die wir sofort umgesetzt haben. Wir sind als Nashörner verkleidet im Wald rumgelaufen und haben Daktari nachgespielt. Wir haben 1978 den kompletten Fernsehtag eines x-beliebigen Samstags in Super 8 nachgedreht. Leider sind die Filmrollen verschollen und es gab noch kein You-Tube, wo man es hätte hochladen können. Ich kann jede einzelne Szene noch nachsprechen, so einen Spaß hatten wir dabei. Da habe ich mehr gelernt, als in allen Schulen zusammen, in denen ich meine Zeit abgesessen habe.  

    Wenn es keinen Spaß mehr gibt, verarmt die Gesellschaft. In Schulen werden Theater-AG´s gestrichen. Die Kinder werden auf Karriere getrimmt. Auch von den Eltern. Sie sollen Klavier spielen lernen, damit sich viele Synapsen im Gehirn bilden, um später multitaskingfähig zu sein. Nicht um damit Menschen unterhalten zu wollen. Das ist dann brotlose Kunst. Manche dieser zum Klavierspielen genötigten Kinder sitzen jetzt vor den Spätis und nutzen ihre Multitaskingfähigkeit dazu, möglichst viele unterschiedliche Getränke gleichzeitig in sich hineinzuschütten und empfinden sehr viel Spaß dabei. Was für eine Enttäuschung für die Eltern.  

    In dem oben erwähnten Interview sagt Frau Grütters auch folgenden Satz: „… das gilt für alle Künstler und Kreative, die in der Regel ja in bescheidenen Verhältnissen leben.“ Heißt: die sind es ja gewohnt keine Kohle zu haben. Das sind Lebenskünstler, die kommen schon wieder auf die Beine.

    Ein Land, das so mit seinen Künstlern umgeht, hat sie eigentlich gar nicht verdient. In vielen Ländern sind in den letzten Jahren Komiker mit großem Erfolg in die Politik gegangen. Peppe Grillo in Italien, Wolodymyr Selensky in der Ukraine, Jon Gnarrs in Island, Marjan Sares in Slowenien, Kim Jong … das war ein Spaß … kann man aber auch als Drohung verstehen. Die Frage ist nur … ist Deutschland schon so weit?  


  5. Jetzt aber mal konkret

    Oktober 28, 2020 by Gerd Normann

    Ich war heute auf der Demo des Aktionsbündnisses Alarmstufe Rot. Die Morgenpost schrieb „die Eventbranche macht erneut auf die Krise aufmerksam!“ Eventbranche ist auch ein wirklich schönes Wort, zusammengesetzt aus einem englischen und einem französischen. Aus dem Wort braucht man nur einen Buchstaben zu streichen und trifft die Situation auf den Kopf. Die Eventbrache. Da jetzt gerade eben der Lockdown für alle Veranstaltungen und Theater etc. verkündet wurde, werden einige Eventveranstalter nicht nur im November brach liegen, sondern vielleicht für immer … wenn nicht sofort konkrete finanzielle Hilfe geleistet wird.

    Einschieben möchte ich kurz, dass die Morgenpost nicht recht hat, wenn sie das Ganze einfach mit „Krise“ umschreibt. Die Eventbranche hat nicht auf die Krise aufmerksam gemacht, sondern auf den eigenen, kurz bevorstehen Tod.

    Auf der Abschlusskundgebung wurden von vielen Betroffenen Solidaritätsbekundungen mit sich selbst und anderen Betroffenen von sich gegeben, die sich, wenn wir ehrlich sein wollen, doch sehr ähnelten. Aber gut, auf jeden Fall scheint die Sprachlosigkeit weg zu sein im Angesicht des Zusammenbruchs. Til Brönner hat sich heute, fast 7 Monate nach dem Ausbruch der „Krise“ auch über YouTube zu Wort gemeldet und Unverständnis darüber ausgedrückt, dass gerade die Großen in der Branche sich bisher nicht zu Wort gemeldet haben. Na ja.

    Und dann … jetzt kommt ein weiteres schönes Wort, das ich sehr liebe … wurde ein Slot freigeräumt. Für Peter Altmeier. Ein Slot ist eigentlich ein Zeitfenster für den Start- und Landebetrieb an Flughäfen. Dass man das Eintreffen von Peter Altmeier mit der Landung eines Fluggerätes vergleicht, finde ich schon auch ein wenig amüsant. Irgendwie ein schönes Bild, das sich da aufmacht. Nein, Slot kommt natürlich aus der Slammerszene (also nicht die Schlemmerszene, das ist was anderes). Wenn die Poetry-Slammer auf die Bühne gehen, dann haben sie ein Slot. Ein Zeitfenster.

    Aus diesem Fenster sollte also Peter Altmeier winken. Tat er aber nicht. Er hatte Wichtigeres vor und schickte seinen Staatssekretär Thomas Beifuß … ne, Bareiß. Thomas Bareiß wurde gefragt, was denn jetzt für konkrete Maßnahmen für die Veranstalter und Soloselbstständigen beschlossen werden oder vielleicht auch schon wurden. So genau wüsste man das jetzt nicht, da seit 2 Wochen der Kontakt zum Wirtschaftsministerium abgerissen sei. Herr Bareiß bekundete erstmal konkret seine Solidarität mit der Eventbrache … Entschuldigung … Eventbranche und versprach umgehend konkrete Schritte in die Wege zu leiten, wobei er einen Schritt zurück machte, den aber konkret. Er war sich bewusst, dass jetzt sofort konkrete finanzielle Hilfe gerade für … bla, bla, bla … geleistet werden müsste … und er persönlich sich konkret dafür einsetzen würde …  gab es konkrete Gespräche … weiterführende konkrete Maßnahmen … etc. Auf die Nachfrage was denn jetzt konkret beschlossen worden sei, wiederholte er konkret seine vorherigen Ausführungen, so dass er am Ende konkret nichts gesagt hatte. Spätestens in dem Moment wusste ich, dass er eigentlich Beifuß hätte heißen müssen. Aber so ist das mit den Staatssekretären, einige werden ausgewählt, weil sie überragendes Fachwissen haben. Andere, weil sie ihr Fachwissen wortreich in jedem Fach verschleiern können.

    Daneben stand noch Carsten Linnemann, der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU/CSU. Der echauffierte sich plötzlich dermaßen engagiert, er sei Sohn eines Buchhändlers, worauf ein teilweise marktschreierisch vorgetragener Salmon über die armen Mittelständler folgte, denen es so schlecht geht. Nur welche Position Herr Linnemann in der ganzen Sache vertritt, das verriet er nicht. Auf jeden Fall hat er es geschafft die Aufmerksamkeit von Herr Beifuß abzuziehen und auf sich zu lenken. Und dann verschwanden die beiden Herren wieder. Ich fand, ein konkret denkwürdiger Auftritt. Kurze Zeit später verkündete Angela Merkel, dass alle Freizeit- und Kultureinrichtungen einen Monat schließen müssen. Das ist doch mal konkret. Mal schauen, ob es jetzt auch konkrete Hilfen gibt.